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10. Februar 2012
 

Sport

 
Logan Bailly freut sich über einen Treffer seiner Mannschaft. Quelle: imago
Logan Bailly

Länderspiel Belgien - Deutschland

Der belgische Paradiesvogel

Logan Bailly beschert Gladbach den Glamourfaktor

von Andreas Morbach

Beim EM-Qualifikationsspiel in Belgien treffen Deutschlands Nationalkicker am Freitag (20.45 Uhr/ARD) auf einen furchtlosen Torhüter, in dessen Leben manches sehr schnell gegangen ist, der aber auch von unerwarteten und schmerzhaften Rückschlägen berichten kann.

 
 
 
 

Bei der Fahndung nach potentiellen Neuzugängen wirkt bei Borussia Mönchengladbach seit einiger Zeit ein Automatismus. "Unser Drei-Säulen-System" nennt Sportdirektor Max Eberl die vereinseigene Leitlinie bei der Suche auf dem Transfermarkt, die so funktioniert: Säule eins steht für den sportlichen Wert des Auserwählten, Säule zwei für dessen Charakter, der in Gesprächen mit dem Kandidaten und seinen engsten Vertrauten ausgelotet wird. Und dann ist da noch die dritte, die geheimnisumrankte Säule.

 

Unterlagen tiptop

"Seit zweieinhalb Jahren", erläutert Eberl, "haben wir jemanden im Verein, der für uns Berichte anfertigt, in denen alles authentisch ist, mit denen wir über alles Bescheid wissen." Den Namen des Schreibers oder Schreiberin hütet Borussias Sportchef dabei wie einen Schatz - im Fall von Logan Bailly ist aber immerhin klar: die Unterlagen waren tiptop. Sagt zumindest Eberl, der betont: "Als er zu uns kam, wussten wir, dass er ein kleiner Paradiesvogel ist. Deshalb waren wir auch nicht überrascht, als die Geschichten aufkamen."

Zitat

„Meine Familie ist das Allerwichtigste für mich. Sie hat mir geholfen, erwachsener zu werden.“

Logan Bailly

Die Geschichten über Baillys Nebenjob als Model für einen Unterhosenhersteller. Über seinen Titel als "Sexiest Footballer" Belgiens aus dem Jahr 2007. Über den zusätzlichen Glamour-Faktor, den seine acht Jahre ältere Freundin Jessica mit ins niederrheinische Flachland gebracht hat. Oder über die Tattoos, die den Körper des mittlerweile 24-jährigen Torhüters pflastern. Alles nichts Dramatisches, vielmehr hübsche Farbtupfer im mitunter etwas grauen Gladbacher Alltag.

Frühe Vaterschaft

Der Schlussmann der belgischen Nationalelf, im ersten EM-Qualifikationsspiel der Gruppe A am Freitag Gastgeber der DFB-Auswahl, tritt dem Image des gut aussehenden Hallodris ohnehin mit außergewöhnlichem Trainingsfleiß und seinen Bekenntnissen entgegen: "Ich bin gar nicht so extrovertiert und privat eher ein ruhiger Typ." Und: "Meine Familie ist das Allerwichtigste für mich." Mit 19 wurde Bailly bereits zum ersten Mal Papa - die frühe Vaterschaft, sagt er, habe ihm "geholfen, erwachsener zu werden".

 

Töchterchen Destiny (5), deren Name, platziert auf Handschuhen und Fußballstiefeln des Papas, mit durch den Strafraum hechtet, hat Mitte Juni einen kleinen Bruder - Prince Logan - bekommen. Als sich der männliche Nachwuchs im Hause Bailly frisch ankündigte, gab es für Gladbachs Ballfänger Nummer eins zudem eine weitere frohe Botschaft: Unter dem früheren Borussen-Coach Dick Advocaat, der sich nach nur sechs Monaten als belgischer Bondscoach längst schon wieder in Richtung Russland davon gemacht hat, debütierte Logan Bailly am 10. Oktober 2009 endlich im Nationalteam - nachdem er bereits im März 2007 erstmals in den A-Kader berufen geworden war.

 

Bruch und Riss

Als einen "einwandfreien jungen Mann" bezeichnet Max Eberl (36) den gebürtigen Lütticher, der kurz vor Weihnachten 2008 für 2,5 Millionen Euro vom KRC Genk nach Gladbach kam, dessen Leistung nach einer ersten exzellenten Rückrunde in der letzten Saison aber eher stagnierte. Mit dazu beigetragen hat, passend zur kurzweiligen Vita des Torhüters, ein Kühlgerät, das Bailly in der Saisonvorbereitung auf den Fuß fiel. Und mit dem Bruch des Mittelfußes bekam auch der rasante Aufstieg des draufgängerischen Schlussmanns in der Bundesliga einen kleinen Riss.

"Sein erstes Halbjahr bei uns war fantastisch. Die letzte Saison war dann okay, brachte aber keinen großen Sprung nach oben. Denn leider gibt es immer wieder Verletzungen, die ihn zurückwerfen", nennt Eberl das aktuell größte Manko des Belgiers. Bekommt er das in den Griff, traut Borussias Sportchef dem Familienmenschen im Gladbacher Tor noch eine Menge zu. Deutschlands Top-Keeper Manuel Neuer (24) und René Adler (25) etwa sind im selben Alter wie der Berufskollege aus Mönchengladbach - und Max Eberl prophezeit: "Bailly ist in seiner Entwicklung noch gar nicht am Ende angelangt. Und mit seiner Furchtlosigkeit hat er sicherlich die Chance, im Reigen mit Neuer oder Adler ebenbürtig zu sein."

 
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